Dienstag, 16. Juni 2009

ZIVILCUORAGE DIE 4

Situative Einflussfaktoren für Zivilcourage:

Eindeutigkeit der Situation: Für das Einschreiten in eine bestimmte Szene ist es wichtig, wie eindeutig die Situation ist. Wenn beispielsweise ein Mann eine Frau in der U-Bahn bedroht, kann das Gesehene auch als Streit zwischen einem Paar gedeutet werden. Die Polizei rät in solchen Situationen, dass das Opfer für die Eindeutigkeit der Situation sorgen muss. In unserem Beispiel könnte die Frau laut sagen: „Was wollen Sie von mir, lassen Sie mich los, ich kenne Sie nicht.“
Anwesenheit anderer Personen: Das Abwälzen der Verantwortung wird in der Fachsprache „Verantwortungsdiffusion“ betitelt. Es ist ein Erklärungsansatz dafür, dass die Bereitschaft zu einer Hilfeleistung drastisch sinkt, wenn mehrere Personen gleichzeitig einen Notfall beobachten (z. B. die anderen sind ja näher dran oder der sieht kompetenter und stärker aus als ich, soll der sich doch darum kümmern). Bewertungs- und Versagensängste spielen in diesem Zusammenhang ebenfalls eine große Rolle (z. B. dann stehe ich ja ganz dumm da, wenn die Situation ja doch gar nicht so schlimm ist, wie ich gedacht habe).
Kosten von zivilcouragiertem Eingreifen: Kosten können in diesem Fall eine Blamage, ein Sich-Lächerlich-Machen, das Verlieren der sozialen Unterstützung, das Aufsichziehen des Unmuts von Autoritäten bis hin zur Gefährdung des eigenen Lebens sein. Meistens gilt: je höher die Kosten, desto geringer die Wahrscheinlichkeit des Eingreifens.
Öffentliche Meinung: Wenn in einem Land beispielsweise das Rufen von ausländerfeindlichen Parolen tabuisiert wird, werden sich eher Menschen finden, die in diesen Unrechtssituationen eingreifen. Personen die oft gegen Ungerechtigkeit eintreten, haben oft den Ruf, sich überall einzumischen.
Vorbilder für Zivilcourage: Wenn eine Person zivilcouragiertes Verhalten aus ihrem bedeutsamen Umfeld kennt oder vorgelebt bekommen hat, wird sie mit größerer Wahrscheinlichkeit ebenfalls couragiert handeln.
Gerade ältere Studien kamen zu diesem Ergebnis: Eva Fogelmann (1998) befragte Menschen, die während des Nazi-Regimes Juden schützten und retteten. Sie unterschieden sich auf das Vielfältigste voneinander. Eines hatten sie aber alle gemeinsam: sie hatten „sehr ausgeprägte humanistische Wertvorstellungen“; der Motor ihres Handelns waren die inneren Werte, die sie in der Kindheit ausgebildet hatten. „Entsprechende Kindheitserfahrungen und –einflüsse ziehen sich wie ein Leitmotiv durch die Geschichte der meisten Retter/innen. Der Psychologe Mantell hat amerikanische Jugendliche befragt, was sie fähig machte, dem Druck Stand zu halten und trotz der drohenden Gefängnisstrafe den Kriegsdienst in Vietnam zu verweigern (Mantell 1972). Als besonders kennzeichnend für ihr Familienleben bezeichneten die Jugendlichen u. a. Gewaltlosigkeit, Toleranz, gegenseitige Anteilnahme, Wärme und unautoritäres Verhalten. „Viele Eltern waren politisch und sozial engagiert. Politik, soziale Probleme, Krieg und individuelle Verantwortung wurden häufig diskutiert“. In den Familien herrschten klare Wertvorstellungen, die die Eltern sich bemühten vorzuleben. Der Erziehungsstil war überwiegend demokratisch.
Individualisierte Welt: Warum sollte ich helfen, wenn doch jeder für sich selbst verantwortlich ist? Die positiv verstandene Individualisierung hat als unangenehme Rückseite nicht selten die gedankliche Asozialität. Die soziologische Sichtweise auf dieses Merkmal wäre die Anonymisierung in den Großstädten. Sie verführt zum Wegschauen.

Kommentare:

Travis hat gesagt…

Anhand der Resonanz sieht man schon, wie es mit der Zivilcourage bestellt ist...

Balrog hat gesagt…

ÄÄhemm, also, hust, hust, kicher, also ich meine, ja, was denn???

ex-user hat gesagt…

@travis..mh ich glaube erst immer an das gute, wird sich zeigen wieviel courage im blog vorhanden ist

ex-user hat gesagt…

@ jürgen....?

ex-user hat gesagt…

lol vielleicht muss ich hier auf mädchen machen....kochrezepte häkelmuster, blümchen und gesülze ich arme frau....bla bla...ob ich dann mehr leser haben werde, mag vielleicht sein aber hohle-blitz-birnen ne lass ich mal lieber nicht meins. ich will nicht sagen das ich nicht auch auf romantik stehe aber alles zur seiner zeit und situation nicht auf kommando und schon gar nicht nur so zur belustigung der anderen. wenn ich mich zum pausenclown mache dann weil ich es möchte..;-)

Travis hat gesagt…

Tja Inge, du fällst eben total aus dem Rollenbld, welches man(n) von einer Frau hat. Das macht dem Jürgen vielleicht Angst...;-)

ex-user hat gesagt…

@travis, ich bin wie ich bin und kann keine andere sein...so isset so bleibt et och

Travis hat gesagt…

Es hat ja auch keiner verlangt, dass du dich ändern sollst. Zumindest nicht ich...

ex-user hat gesagt…

lol würde ich auch nicht...ich find mich gut so